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LEE:  Ausschreibungsbedingungen bei Biomasse behindern grüne Kraftwerksstrategie

Böse Überraschung zum Nikolaus: Niedersachsen erhält kaum Zuschläge

Die Bundesnetzagentur hat am 6. Dezember die Ergebnisse der Oktober-Ausschreibung für Biomasseanlagen veröffentlicht. Dazu Joost Kuhlenkamp, LEE-Referent für Bioenergie und Wärme: „Nur rund 33 Megawatt, also 11,4 Prozent des Ausschreibungsvolumens, gingen nach Niedersachsen. Dies zeigt, wie akut die Bedrohungslage für den niedersächsischen Biogasanlagenbestand ist. Nach dem aktuellen Mechanismus gibt es für den Großteil der innovativen Konzepte zur flexiblen Stromerzeugung mit intelligenten Wärmeversorgungen keine Grundlage.“


Kuhlenkamp erläutert: „Bei 1.360 Megawatt installierter Biogasleistung in Niedersachsen wird die geringe Bedeutung von 33 Megawatt in einer Ausschreibungsrunde deutlich. Sie entsprechen 2,4 Prozent der aktuell in Niedersachsen installierten Leistung. Damit werden die Ausschreibungsbedingungen dem Stellenwert, den die Bioenergie in Niedersachsen als wichtiger Träger der Energiewenden einnimmt, nicht gerecht.“


Kritik an Südquotenregelung, Wärmekonzepte im ländlichen Raum ohne Chance


Kuhlenkamp weiter: „Wir kritisieren die im EEG viel zu niedrig angesetzten Ausschreibungsvolumina und die Südquotenregelung. Die Einführung der Südquote verschärft die Lage für Betreiber von Anlagen in Niedersachsen erheblich. Es besteht die Gefahr eines flächendeckenden Verlusts von bestehender, nachhaltiger und flexibler Anlagenleistung in der Region. Ohne die Chance auf einen Ausschreibungszuschlag sind die Biogasbranche und auch viele der so notwendigen und schon bestehenden Wärmekonzepte im ländlichen Raum ohne Chance.“


Bei den Ausschreibungen für Biomasse werden Gebote in der Südregion bevorzugt bezuschlagt, die in etwa den Gebieten südlich der Main-Linie entspricht. Beim aktuellen Gebotstermin wurde die Hälfte der ausgeschriebenen Menge an dortige Projekte vergeben. Laut Bundesagentur konnte diese bevorzugte Zuschlagsmenge erneut vollständig ausgeschöpft werden. Dieser Mechanismus verzerrt nicht nur den Wettbewerb, sondern sorgt insgesamt für einen Verlust von gesicherter Leistung in weiten Teilen der Bundesrepublik.
 
Kraftwerksstrategie ohne Biogas?
 

Dies ist umso bedenklicher, da die Bundesregierung mit der angekündigten Kraftwerksstrategie erheblich hinter dem Zeitplan liegt. Kuhlenkamp erklärt dazu: „Diese sollte bereits vorliegen, eine politische Grundlage hierfür scheint aber noch nicht gegeben. Dabei ist es genau diese grüne, gesicherte Leistung, die in der Kraftwerksstrategie gesucht und durch die Bedingungen der Biomasseausschreibung aktiv behindert wird. Hier gilt es zwingend politisch anzusetzen, denn die Kraftwerksstrategie darf nur mit grüner Energie und nicht mit einem Freifahrtschein für teure, neue Erdgaskraftwerke umgesetzt werden.“