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LEE: Warum Niedersachsen auf Nachwachsende Rohstoffe setzen sollte

Regionale Bioenergie bietet Lösungen für die Energiekrise – Anlagensterben droht

Die Bedeutung und Nutzung von Nachwachsenden Rohstoffen wird derzeit in Politik und Öffentlichkeit diskutiert. Der LEE (Landesverband Erneuerbare Energien) ordnet die Argumente ein und erklärt, in welchen Bereichen Biomasse für den Erfolg der Energiewende unerlässlich ist. Nachwachsende Rohstoffe haben den großen Vorteil, dass sie in erheblichem Maße Treibhausgase einsparen und  gänzlich in die landwirtschaftliche Kreislaufwirtschaft integriert sind.


Umweltschonend, schnell verfügbar, vielseitig einsetzbar


Joost Kuhlenkamp, LEE-Referent für Bioenergie und Wärme, erklärt: „Nachwachsende Rohstoffe ermöglichen einen schnelleren Ausstieg aus fossilen Brennstoffen. Denn diese heimischen Rohstoffe lassen sich kurzfristig nachhaltig bereitstellen, sie sind speicher- und vielfältig einsetzbar. Biomasse wird insbesondere bei der flexiblen Stromerzeugung, der Wärmeversorgung in Bestandsgebäuden und als Ersatz für Erdöl und Erdgas im Schwerlastverkehr sowie in der Industrie genutzt.“


In diesen Bereichen sind laut Kuhlenkamp andere erneuerbare Lösungen schwieriger einzusetzen. Die Bioenergie kann ihre Vorteile besonders gut ausspielen und fossile Energien direkt ersetzen. Dadurch werden Niedersachsen und Bremen unabhängiger von Importen und gleichzeitig die Treibhausgasemissionen aus Kohle, Öl und Gas massiv reduziert.


Verringerte Abhängigkeit von autokratischen Systemen


Nachwachsende Rohstoffe werden dezentral und in lokalen Strukturen genutzt. Dadurch können regionale Wertschöpfung und Versorgungssicherheit gewährleistet werden. Dies ist besonders wichtig in Zeiten unsicherer Energieversorgung aufgrund des Krieges in der Ukraine. Lokal bereitgestellte Energien werden nicht plötzlich abgestellt und füllen nicht die Kassen autokratisch regierter Staaten. Was für den eigenen Holzofen gilt, gilt auch für die benachbarte Biogasanlage mit eigenem Wärmenetz oder dem Biomethan-Blockheizkraftwerken in der urbanen Fernwärme.


Auch wenn es wichtig ist, möglichst viele biogene Reststoffe stofflich und energetisch zu nutzen, ist auch die Verwendung von weiteren, primären Biomassen wie Energiepflanzen und Zwischenfrüchten notwendig und ökologisch sinnvoll.


Landwirtschaft und Energiewende ergänzen sich


Die Nutzung und der Anbau von Nachwachsenden Rohstoffen in der Landwirtschaft bieten eine Vielzahl von Vorteilen. Sie ermöglichen eine Auflockerung der Fruchtfolge und erweitern die Flexibilität bei der Reaktion auf unterschiedliche Wetterlagen und Erntequalitäten. Durch den Anbau von Nachwachsenden Rohstoffen können Landwirte ihre Anbaumethoden diver-sifizieren und ihre Erträge optimieren.


Die Anzahl der Betriebe, die Tiere halten, nimmt kontinuierlich ab. Dadurch entsteht eine Herausforderung bei der Verwertung von Ernten, die nicht direkt für die menschliche Ernährung geeignet sind. Hier schafft die energetische Nutzung deutliche Abhilfe. Grünland- und Wiedervernässungsflächen können ebenfalls nur zur Tierfuttererzeugung und zur Energiebereitstellung genutzt werden.


Hohe Methanausbeute durch Mais und Zuckerrübe in Biogasanlagen, doch Anbauflächen stagnieren
Wichtige Pflanzen für die Erzeugung von Biogas sind Mais und Zuckerrüben, aber auch Ganzpflanzensilage von Getreide. Diese Pflanzen sind im Vergleich der Biomassen sehr flächeneffizient, gut speicherbar und weisen die höchste Methanausbeute auf.


Der Anbau dieser Kulturen wird durch die erweiterten Fruchtfolgepflichten für viele Betriebe interessant. Denn diese Kulturen stellen eine ökonomische und ökologische Bereicherung dar, da sie eine hohe Stickstoffeffizienz aufweisen. Zudem benötigen sie nur geringe Mengen an Pflanzenschutzmitteln, sind trockenheitstolerant und ermöglichen eine effektive Unkrautbekämpfung. Insgesamt werden in Niedersachsen 10,8 Prozent der landwirtschaftlich genutzten Fläche für den Anbau von Energiepflanzen genutzt. Dieser Anteil stagniert in den letzten Jahren, ebenso wie der Maisanbau insgesamt.


Nachwachsende Rohstoffe notwendig für kreislaufgebundene Vergärung


Die Nutzung von Reststoffen wie Gülle und Mist in vielen Biogasanlagen ist nur durch die Mitvergärung von Nachwachsenden Rohstoffen möglich. Ohne Anbaubiomasse sind die meisten Anlagenkonzepte aufgrund fehlender Energiemengen oder Wirtschaftlichkeit nicht umsetzbar.


Die energetische Dichte von Energiepflanzen ist deutlich höher als die von Rest- und Abfallstoffen. Auch bei der Vermeidung von Treibhausgasen erweisen sich vor allem Biomassen aus Mais, Getreide und Rüben als wertvoll. Denn hier wird pro Tonne deutlich mehr grüne und nachhaltige Energie nutzbar gemacht, die wiederum fossile Brennstoffe ersetzt.

 

Biomasse spart durch verkürzte Transportwege CO2 ein


Reststoffe fallen regional in stark unterschiedlicher Menge an und sind insgesamt nur begrenzt transportwürdig. Ohne die Beimischung von energiereicheren Biomassen wäre es nicht möglich, die Reststoffe überhaupt zu verwerten, oder es würden erhebliche Transportwege entstehen. Dies widerspricht dem in der Landwirtschaft wichtigen und geforderten Kreislaufprinzip.


In der politischen Debatte wird häufig einseitig und unsachlich auf die Nachwachsenden Rohstoffe geschaut. Durch Nutzungseinschränkungen in der Gebäudeenergie oder mit einem Deckel für Biomasse oder Silagemais wird die Energiewende blockiert. In der Debatte um das Gebäudeenergiegesetz wurde zwar die Bedeutung dieser Rohstoffe erkannt und deren Einsatz zur grünen Wärmewende ermöglicht, in anderen Sektoren ist diese Erkenntnis noch ausstehend.


Risiko des Anlagensterbens steht im Raum


Joost Kuhlenkamp befürchtet, dass ohne den großflächigen Einsatz von Nachwachsenden Rohstoffen viele Biogasanlagen aufgeben müssen: „Infrastrukturvorhaben wie die erdgasbasierte Kraftwerksstrategie oder der Bau neuer LNG-Anlandestellen für Erdgas wirken auf Biogasanlagenbetreiber zynisch. Sie befürchten, dass die massive Kritik am Einsatz von Biomasse ihre Anlagen unwirtschaftlich macht und zu einem Anlagensterben führt.“

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