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LEE bei Tarmstedter Gesprächen –

Biogas als Garant der Wärmeversorgung

Die Tarmstedter Ausstellung ist auch in diesem Jahr ihrem Anspruch, eine der wichtigsten Landwirtschaftsmessen Norddeutschlands zu sein, gerecht geworden. Einen wesentlichen Ausstellungsschwerpunkt bildeten die erneuerbaren Energien, die sich als Cluster auf dem LEE-Gemeinschaftsstand präsentierten.


Die von Agrajournalist Hinrich Neumann moderierten „Tarmstedter Gespräche“ boten den Zuhörern interessante Einblicke in die Leistungsfähigkeit der Biogasbranche.


Unter dem Motto „Energie aus Biogas ist gefragt wie nie – Welchen Beitrag kann es zur Wärmeversorgung der Zukunft leisten?“ diskutierten Oliver Bade, Geschäftsführung BST Innova GmbH, Joost Kuhlenkamp, LEE-Referent Bioenergie und Wärme, Cord-Heinrich Heitzhausen, Bio-LNG Hakenmoor GmbH und Heiko Gerken, NAWARO Biogas WBO GmbH & Co. KG über die Zukunft der Bioenergie.


„Fühlen uns für die Region verantwortlich!“


Die Nachfrage nach Biogas und Biomethan wurde aufgrund des Ukrainekriegs gesteigert, so Kuhlenkamp. Oliver Bade erkannte einen Nachfrageschub nach Biomethan schon ab 2018 , als die  Grundlagen im EEG novelliert wurden. Viele Biogasanlagenbetreiber, so Bade, hätten sich in den vergangenen Jahren intensiv mit dem Thema auseinandergesetzt, die ersten Projekte kämen jetzt in die Umsetzung.


Für Heiko Gerken ist die Nahwärme- und Stromversorgung durch flexibel geführtes Biogas das Optimum. Gerken sieht aufgrund einer erfolgreichen Ausschreibungsteilnahme dem Ende der 1. EEG-Vergütung gelassen entgegen, plant aber parallel eine Form der Gasaufbereitung. Sollte ein Wechsel zur Biomethanaufbereitung erfolgen, müssten sich die aktuellen Wärmekunden keine Sorgen machen. „Wir fühlen uns für diese Region verantwortlich und werden unseren Kunden nicht im Regen stehen lassen, es wird Nachfolgekonzepte geben,“ so Gerken.


Gleichzeitig gibt es auch solche Anlagenkonzepte, bei denen eine gesicherte Wärmeabnahme in der Zukunft nicht gegeben ist. Dort kann das Thema der Kraftstoffherstellung noch einmal interessanter sein, als anderswo. So beschreibt es Cord-Heinrich Heitzhausen für einen von ihm bereits angestoßenen Anlagenumbau. Dort wird mutmaßlich noch in diesem Jahr erstmals vor Ort Kraftstoff aus Biomethan verflüssigt.


Trend zu Biomethan?


Kuhlenkamp erläuterte, dass deutschlandweit ein Trend zur Bereitstellung von Biomethan festzustellen ist. Der LEE arbeitet weiterhin daran, dass sich die Rahmenbedingungen dafür verbessern.


Doch wie geht die Branche mit einer drohenden Stromlücke um, wenn zu viele Anlagen auf Biomethan setzen und Biogas nicht volatil auf Versorgungsengpässe bei Wind- und Solarenergie reagieren kann? Laut Kuhlenkamp bieten Biomethananschlüsse eine maximale Speichermöglichkeit. Bade zufolge sei die Anlage der Zukunft wahrscheinlich eine Kombianlage aus Verstromung und Biomethanerzeugung. Im Sommer werde künftig tendenziell mehr Biomethan eingespeist, im Winter tendenziell mehr Strom.


Die Gasaufbereitungstechnik hat sich laut Bade weiterentwickelt. Selbst für kleinere Anlagen wird es mittlerweile interessant, ins Erdgasnetz einzuspeisen. Heiko Gerken, der sich auch als Kommunalpolitiker engagiert, erklärte, dass sich die Bevölkerung heutzutage aufgeschlossener gegenüber Biogas zeige als in der Vergangenheit. Aber auch die regionale Wertschöpfung spiele in Form von Gewerbesteuerzahlungen eine Rolle.


Blühpflanzen kein ökologisches Allheilmittel, weil der Flächenbedarf steigt


Der Maisdeckel werde laut Gerken befolgt und durch Ganzpflanzensilage, Zuckerrüben, Gras, Gülle und Mist entsprechend ersetzt. Gerken warnte jedoch davor, die energetisch vorzüglichen Maissilage als Substrat stärker zurückzudrängen.


„Gleichzeitig ist aufgrund des hohen Bedarfs nach Gülle- und Mistmengen im Kraftstoffmarkt eine deutliche Suche nach eben diesen Reststoffen ausgebrochen. Auch hierdurch wird es für andere Biogasanlagen immer schwieriger werden, solche Biomasse zu finden und einzusetzen“, so Cord-Heinrich Heitzhausen.
Kuhlenkamp sah neue Energiepflanzen auf dem Vormarsch. Den Einsatz von Blühpflanzen sah Kuhlenkamp differenziert – aufgrund der geringeren Energiedichte steigt der Flächenbedarf bei Blühpflanzen in erheblichem Maße im Verhältnis zur Maisanbaufläche.


Erlösabschöpfung: Frustfaktor Nummer 1 in 2022


Thematisiert wurde ebenfalls die von der Bundesregierung im vergangenen Jahr durchgesetzte Erlösabschöpfung. Bade erklärte, dass die Biogasbranche kein Problem hatte, etwas „vom Kuchen abzugeben“. Dennoch gab es einen starken Vertrauensverlust der Betreiber gegenüber der Politik.


Ausblick: Wo stehen die Biogasanlagen in 10 Jahren?


Die Teilnehmer waren sich einig, dass Biogasanlagen künftig Teil der Lösung sein werden, bedingt durch das Zusammenspiel mit Wind- und Solarenergie. Die Anwendungsbereiche der Bioenergie nehmen zu, die Dimensionen des schwankenden Strommarkts ebenfalls. Auch werden sich die Anlagen technisch weiterentwickeln. Die Sektorkopplung wird ein zentraler Baustein der Energiemarktes werden. Idealerweise geben Biomethaneinspeiseanlagen Kohlendioxid an Windparks ab, die per Elektrolyseur Wasserstoff und Kohlenstoff methanisieren. Das Fazit der Diskutanten: Die Biogasbranche entwickelt sich weiter und wird ihre Vorzüge künftig noch deutlich marktgerechter und passgenauer ausspielen.

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